Ferien mit Kind und Kegel

Oder aber auch: Appartementferien: Von einem Haushalt zum anderen.

Wir haben es getan. Wir haben unseren kompletten Hausrat zusammengepackt, konnten diesen, verwunderlicher Weise in unserem Auto verstauen und sind in die Ferienwohnung der Familie meines Mannes gefahren.

Man muss vorwegnehmen: Letzten Herbst hatten wir diese Vorbereitungen ebenfalls getroffen und sind losgedüst , allerdings kamen wir bereits nach 3 Tagen wieder heim. Es war einfach nur unerträglich. Ganz, ganz schlechte Nächte in denen der eine Zwilling den anderen geweckt hat und das im ewigen PingPong bis früh morgens. Eltern die völlig gerädert Ausflüge mit ihren 2 Jähringen machen, die aber noch gar nicht die Ausdauer haben, mehr als 10 Minuten zufrieden zu sein. Ich war es ja auch nicht, war ja ausser müde, nur müde. Also wozu durchhalten? Nur um den gesellschaftlichen Ansprüchen zu genügen und erzählen zu können, wir wären eine Woche lang in den Bergen gewesen und es wäre ja sooo toll gewesen? Nope, wer mich kennt, weiss, das mache ich nicht mit. Also Übung abgebrochen und gut war es.

Nun , 1 Jahr später packten wir also wieder unsere sieben(tausenddreihundertfünfundvierzig) Sachen und alleine DAS war eine Challenge. Ferienwohnung heisst: Spielzeug muss mit, denn Regenwetter ist mitunter angesagt, Reisebettchen für die Kinder samt Bettzeug, damit sie nicht aus dem Stockbett fallen, Kleider für alle und damit meine ich wirklich ALLE Eventualitäten, Lieblingsteilchen wie Nuggis und Nuschis, ….ihr wisst was ich meine. Wir sind hier alle Profis. Ich spare mir eine detailliertere Ausführung.

Ich hatte ehrlich gesagt Bedenken. Mir steckte das letzte Jahr noch in den Knochen. Gleichzeitig möchten mein Mann und ich aber unbedingt Gefallen finden an der Ferienwohnung mit Kind und Kegel, da es doch ein wahrer Luxus ist und wir im Winter unseren Kindern den Wintersport ermöglichen wollen. Nebenbei bemerkt hat der Fleck dort oben auch im Sommer unglaublich tolle Dinge zu bieten.

Die Autofahrt verlief herrlich unkompliziert. Die KinderliederCD lief nur knappe 30 Minuten, dann schliefen die beiden Rabauken ein und wir konnten dieser akustischen Qual schnell ein Ende setzen.

In der Wohnung angekommen, erkundeten die Zwei interessiert das neue Domizil und mein Mann und ich begaben uns ins Schlafzimmer zur Besprechung der Schlafsituation. Für mich war es klar: Wir müssen die Gitterbettchen gar nicht mehr aufstellen und das Zimmer somit unbegehbar machen. Ich mache das obere Stockbettchen rausfallsicher und fertig ist die G’schicht. Mein Mann reichte allerdings ein Veto ein und somit bauten wir im unteren Bettchen eine Höhle und die Zwillinge schliefen zu zweit unten. Super! Ich war erleichtert, denn nun konnte ich in dem gemeinsamen Schlafzimmer wieder atmen. Mit den beiden zusätzlichen Gitterbettchen blieb mir im Vorjahr irgendwie die Luft weg. Bin dahingehend aber auch bisserl eigen.

Der Waldspielplatz vor der Tür spielte alle Stückeln und es war schön, als Familie hier zu sein.

Abends machten wir es uns in der Wohnung gemütlich und ich stand in der Küche und war mir sicher: Diesmal wird das gut. Ich spürte Freude, da zu sein. Was für eine Erleichterung.

Die Nacht war ganz gut und die Kinder liefen morgens ins Wohnzimmer, während mein Mann und ich uns noch 5 Minuten im Bett gönnten. Wir hörten sie spielen, bis es plötzlich ruhig wurde. Verdammt! Ich sprang aus dem Bett, stolperte gehetzt ins Wohnzimmer und erblickte sogleich mit Schnappatmung den Ort der Tat:

Die Kinder hatten sich meine Handtasche geschnappt, einen Lippenstift entdeckt und es sich mit eben diesem auf dem beige farbenden Spannteppich gemütlich gemacht.

Das darf doch nicht wahr sein! Dieser Teppich hat bereits zig Jahre , eine bemerkliche Anzahl junger Menschen mit Bier- und Weingelüsten, andere Kleinkinder und noch viel mehr am Buckel und wir sind keine 24 Stunden hier und hinterlassen nun diese Katastrophe?! Warum passiert das nicht an den 350 Tagen in unserer Wohnung oder bei meiner Familie in Wien? Da wäre es mir nicht so arg unangenehm!

Los ging das Googeln und Offerten einholen, beides bis dato nur semi erfolgreich. Die Flecken sind, nachdem wir mal selbst Hand angelegt haben nun nicht mehr ganz so farbprächtig, aber immer noch da. MIST!

So viel zu unserem Einstand.

Nach dem Desaster wollten wir alsbald das Haus verlassen um mal durchzuatmen und starteten los Richtung Bergbahn. Das heisst, wir mussten unsere Prinzessin mal davon überzeugen die blauen Wanderschuhe anzuziehen, anstatt der pinkfarbenen Leuchtsneakers und die Sache mit der Strumpfhose musste auch erst ausgefochten werden. Um es gleich Vorweg zu nehmen: Dieser Punkt ging zur Abwechslung mal an uns Eltern. Tschaka!

Das Haus zu verlassen gleicht momentan sowieso immer einem Katz und Maus Spiel. Kaum macht der eine Zwilling mit , rebelliert der andere und umgekehrt. Schweissgebadet sassen wir dann also eine gute Zeit später im Auto bzw. in der Gondel.

Bei der Mittelstation angekommen, offenbarte sich uns eine KugelbahnXXL. Wir kannten diese bereits aus dem letzten Jahr, doch diesmal war es kein Vergleich. Die Kinder liefen rauf und runter, stellten die Weichen für ihre Murmel und wir verbrachten eine gute Stunde an diesem Ort.

Dann ging es weiter auf die Terrasse eines Restaurants, das Laufräder zur Verfügung stellt und die Kinder radelten über Wippen und andere Obstacles. Wie die Grossen und mega stolz über ihr Gelingen.

Wow! So ein schöner Ausflug, so zufriedene, glückliche Kinder. Mein Herz ging auf!

Die Bergluft und die tollen Unternehmungen machten jedoch müde und als wir gegen 14.00 Uhr heimkamen bettelten sie nach dem Bett. Keine Chance sie wach zu behalten. Sie forderten unabdingbar ein Mittagsschlaferl ein.

Und so nahm das „Unglück“ seinen Lauf.

Tolle Ausflüge + Mittagsschlaf = Bettruhe erst gegen 21.30 Uhr und als Bonus gibt es auch noch eine unruhige Nacht mit drauf. Mutti dankt!

Und was ist eigentlich mit mir? Mich macht die Bergluft auch müde und ich hätte abends einfach noch gerne ein Stündchen alleine mit meinem Mann verbracht. Auch wenn man vielleicht nur apathisch ins Handy glotzt oder Stumpfsinn im TV schaut.

Du meinst das sei egoistisch? Ja voll! Und das ist auch gut so und ich habe vor, mir diese Eigenschaft zu bewahren! Kann sie ja eh nur viel zu selten durchsetzen.

Mein Plan, zumindest eine Stunde abends durchschnaufen zu können scheiterte kläglich. Ich durfte ab 21.00 Uhr das Betterl der Kleinen nicht verlassen, sollte da hocken und warten, bis Ruhe einkehrt. Das gelang nur nicht, da die beiden sich gegenseitig aufschaukelten und es wahnsinnig witzig fanden. Ich dann irgendwann nicht mehr.

Mich machte das „Theater“ wütend. Ich hinterfragte meine Mamaqualitäten, vermisste das Leben vor den Kindern und fühlte mich dem Ganzen einfach nicht gewachsen.

Hinzu kommt, dass mein Mann momentan nichts „darf“. Wenn er mich ablösen möchte, dann wird, egal ob bei Tag oder Nacht „Nei Mami“ geschrien. Herrlich! Herrlich frustrierend für ihn UND für mich.

Also wer steht auf bei allen „Ich muss aufs WC“, „Wo ist mein Nuggi?“, “ Ich raunze mal zwanzig Minuten herum, sage aber nicht was ich habe“ -Gelüsten? Meist ICH. Sehr oft rappelt sich mein Mann zuerst auf, da aber Sekunden später trotzdem noch nach mir verlangt wird, stehen wir eben beide am Bett der Kinder. Wie die Deppen.

Da hat man einen so wundervollen Mann, der wirklich alle Aufgaben mit einem teilt und was ist? „NEI MAMI“ Ich raste aus!

Nichts desto Trotz: Wir erlebten täglich eine ganz tollen Zeit als Familie: Am Berg mit der Kugelbahn und dem Veloparcours, am Spielplatz mit dem Bächli und den Schleusen zum Wasserstauen, die eindrückliche Zugfahrt mit der Rhätischen Bahn nach St. Moritz und mein Highlight: Die Sommerrodelbahn.

Wenn ich keine Selfies mache, bin ich auf keinem einzigen Familienfoto drauf. Wer kennts? 😀

Mein Gott, das Kinderlachen, als wir die Bahn runtersausten, höre ich immer noch in meinen Ohren.

Was ist es also, das mich so zwiegespalten über diesen Urlaub fühlen lässt?

Urlaub in der Ferienwohnung heisst: Auch hier ist ein Haushalt zu führen, auch hier krieche ich nach jedem Essen unter dem Esstisch herum um das Chaos zu minimieren oder noch besser zu eliminieren und auch hier läuft der Geschirrspüler mit der Waschmaschine um die Wette. Dinge, die ich daheim schon als unglaublich mühsam und nervig empfinde, holen mich in den Ferien also auch ein. Finde den Fehler.

„Was nehmen wir für unterwegs zum Essen mit?“ „Was kochen wir abends?“ Und am Ende der Woche steht noch das Räumen der Wohnung an. Hier bin ich wieder bei den sieben(tausenddreihundertfünfundvierzig) Sachen, die wieder zurück ins Auto müssen, inklusive einem Berg schmutziger Bettwäsche und dann muss die Wohnung natürlich tiptop gereinigt werden, damit die nächsten Familienmitglieder in eine schöne Ferienwoche starten können. Nebenbei springen zwei übermütige Zwergerl herum und schalten einem den Staubsauger immer wieder aus, oder heulen, weil man ihr geliebtes Höhlenbettchen abbaut.

Mit Urlaubsfeeling oder Erholung hat das nur wenig zu tun und genau da liegt bei mir der Hund begraben.

Ich habe Zeit meines Lebens Urlaub mit ICH-Zeit und Erholung assoziiert. Ich denke es wird Zeit, diese Assoziation nun umzuwandeln. Ferien mit Kindern sind für uns momentan nicht entspannt, dafür aber aufregend, voller 1. Male, voller Kinderlachen, voller Abenteuer.

Auch ist es nicht angebracht sich zu vergleichen. Für die einen sind Appartementurlaube DIE ultimativen Ferien mit Kindern, für uns eben nicht. Muss es auch nicht sein.

Ich darf so fühlen. Daran ist nichts falsch.

Und du darfst das auch! Ich habe das Gefühl, kaum jemand traut sich darüber zu reden, wenn mal etwas nicht nach Schema läuft. Jeder erzählt von den „Ach so tollen Ferien mit Kindern“, aber vielleicht empfindet es gerade mal jede zweite wirklich so. Die tollen Fotos haben wir alle und auch ich zeige diese gerne. Aber ich rede auch gerne darüber, wie es sich abseits der gelungenen Bilder abgespielt hat und tue das nicht erst, wenn das Gegenüber die Hose runter gelassen hat.

Jammern hilft niemandem weiter, aber ein bisschen mehr Ehrlichkeit schadet doch auch nicht.

Fazit:

Urlaub in der Ferienwohnung ist für mich ein erfreulicher Tapetenwechsel, nicht mehr aber auch nicht weniger. Und diese Ansicht darf mir ab sofort helfen die weiteren Urlaube schon im Vorfeld besser einordnen zu können und die Erwartungen anders zu polen als bisher.

Somit: Ich freue mich auf einen erneuten TAPETENWECHSEL im Winter, freue mich auf das erste richtige Schneeerlebnis mit den Kindern und spare gleichzeitig mal ein bisschen, damit vielleicht auch mal ein Familienhotel-Urlaub drin ist, ohne kochen und putzen.

Erzähl mal, wie läuft das bei euch?

Ferien mit Kindern im Appartement: TOP oder FLOP?

Lass mir doch ein Kommentar hier unter dem Text da oder aber auch gerne auf FB oder Instagram. Du hast nicht wirklich was zu sagen, hast den Text aber einfach gerne gelesen oder dich vielleicht sogar wiedererkannt? Dann lass mir doch ein Herzerl oder einen Smiley da. Feedback jeglicher Art tut halt einfach gut.

Jössas, fast hätte ich vergessen den Abreisetag zu erwähnen, aber was da alles passiert ist, da bedarf es eines eigenen Beitrages. Wo finde ich hier diesen Smiley der die Augen in alle Richtungen verdreht?!

Stay tuned!

Wenn du nichts verpassen möchtest, folge dem Zwillingszirkus doch auf Instagram oder Facebook. Hier nehme ich dich in den „Stories“ auch immer wieder mit, in meinen Alltag mit Kind und Kegel.

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Ich freu mich auf dich!

Alles Liebe

Deine Nanette

Eine Antwort auf „Ferien mit Kind und Kegel“

  1. danke!! alles so wahr! mein mann wollte immer schon in hotels, aber gelegentlich waren wir mit 1, 2 und mittlerweile 3 kids auch in ferienwohnungen. gekocht wird trotzdem selten und ich scheu mich auch nicht davor, den kindern abends bevorzugt grieskoch zu geben, wenn sie butterbrot verweigern 🙂 diesen sommer hab ich mich das erste mal nach mutterwerden im urlaub wohlgefühlt. davor war es für mich jedes mal zu viel. vor allem winterurlaub schwanger mit zwei kleinkindern.
    am anstrengendsten find ich es allerdings, daß fast alle mütter die ich darauf anspreche, es angeblich nicht so mühsam finden. da kam meist nur „oh, das tut mir aber leid für euch!“ also besonders danke für deine worte <3

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