Reisen zu Corona Zeiten?! Muss das sein?!

„Voll nicht.“ „Sehr unverantwortlich.“ „Sieht man doch, wie die Zahlen wieder raufgehen, nachdem die Grenzen geöffnet wurden.“ „Schau sie dir an, alle reisen sie jetzt z.B. nach Serbien, kommen zurück und stecken uns verantwortungsvoll Daheimgebliebene an…“

Hast du schon mal zumindest ansatzweise in die Richtung gedacht? Also ich schon.

Aber dann ist man vielleicht selber mal in der Situation, etwas zu tun, was man unter normalen Umständen vermutlich nicht anstreben würde.

–> Reisen zu Coronazeiten

Aber von Anfang an:

Der Lockdown ging an uns glimpflich vorüber, unsere Zwillinge mussten noch nicht beschult werden, somit waren wir vormittags meist alleine auf irgend einem kleinen Quartierspielplatz und nachmittags tobte ich mich daheim basteltechnisch mit ihnen aus. Wer hätte das gedacht?! Ich und basteln. Konnte es selbst kaum glauben.

Für meinen Mann änderte sich zumindest im Tagesablauf kaum etwas, er arbeitete normal weiter, nur einmal in der Woche blieb er daheim bei den Kindern, damit ich zur Abwechslung mal konzentriert das Homeschooling für meine Schüler vorbereiten konnte.

Wir hörten kaum mehr Nachrichten und holten uns die Informationen lediglich nach den Sitzungen des Bundesrates. Somit wussten wir, was wir wissen mussten und die restliche Panikmache liessen wir aus. Das tat gut. Denn mulmig war einem natürlich schon, kennt man ja nicht, man ist nicht Pandemie erprobt. Aber die Angst schaffte es nicht, uns den Atem zu nehmen.

Ich gehöre sowieso zu den, als sehr gerne als „naiv und uninformiert“ abgestempelten Menschen. Aber ganz ehrlich. Was bringt es mir, tagtäglich die Fallzahlen zu studieren?! Ich lade die Panik ein und heisse die Angst willkommen, aber weiter bringt mich dieses Wissen nicht. Da bleibe ich sehr gerne weiter „naiv und uninformiert“. Immer und immer wieder werde ich mich dafür entscheiden.

Eine Sache machte mir jedoch extrem zu schaffen: Meine in Wien lebenden Eltern.

Sie sind beide über achtzig Jahre alt und kurz vor dem Lockdown wurde mein Papa an der Hüfte operiert. Alles verlief soweit gut, so gut es halt laufen kann in diesem Alter. Frisch operiert und mit schweren und langanhaltenden Nachwirkungen der Narkose lag er dann abgeschottet im Spital. Nicht schön. Und daheim meine Mama voller Sorge und von dem Unwissen wie es weiter gehen soll extrem geschwächt. Wie soll sie mit ihren nicht einmal 50kg meinem grossen, schweren Papa helfen, wenn er nach Hause kommt? Wie soll das alles weitergehen?

Meine Geschwister kümmerten sich rührend und organisierten unter anderem eine 24h Hilfe. In Zeiten von Grenzschliessungen eine gar nicht so einfache Sache. Diese Tatsache half mir enorm, trotzdem schottete ich mich ziemlich ab, verliess den Familienchat, da ich es nicht ertragen konnte, so weit entfernt zu sein, nichts tun zu können, aber mitzubekommen wie es meinen Eltern immer schlechter ging. Ich empfand eine Art Ohnmacht und die Angst, nicht zu ihnen zu können, sollte es nötig sein lähmte mich.

Der Lockdown wurde verlängert und es war schnell klar, dass unser Osterbesuch nicht stattfinden wird und jetzt komme ich endlich auf den Punkt:

In diesem Moment war ganz klar, ich mache es möglich, dass meine Eltern ihre Enkel sehen können und zwar so bald wie nur möglich.

Und so kam es, dass wir letzte Woche nach Wien reisten. Eine Reise, die ich wohl unter anderen Umständen nicht angestrebt hätte, aber eine Reise die mich im Nachhinein gesehen, sehr sehr glücklich stimmt.

Meinen Eltern geht es den Umständen entsprechend und es war magisch zu sehen, wie vor allem meine Mutter aufblühte, als wir alle gemeinsam unsere pensioniertes Pferchen „Askja“ besuchten. Wer hätte das gedacht: Meine Eltern mitsamt unseren Kindern bei Askja. Da ging mir das Herz aber sowas von auf.

Meine Geschwister, die mit meinen Kindern in genau den Park gingen, in dem schon ich mit meinem Opa damals Enten gefüttert und mich am Spielplatz ausgetobt habe und währenddessen durften mein Mann und ich ein Frühstück an einem meiner Lieblingsplatzerl in Wien geniessen. Zeit nur für uns zwei. Das gab es zuletzt mal irgendwann im Februar und wann es wieder möglich sein wird, ist mehr als fraglich.

Ich bin sehr froh, diese Reise gemacht zu haben und würde mich immer wieder dafür entscheiden. Romantik kommt nicht auf, bei der Maskentragerei, dem Abstandhalten und den vielen anderen Massnahmen, die wir achtsam befolgt haben, aber mein Herz wurde unzählige Male erwärmt, dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Was ich mir ausserdem mitnehme? Lieber mal nachfragen, statt sofort zu urteilen. Klar wird es schwarze Schafe geben, die bis zum letztmöglichen Tag ihre Ferien in einem „Listenland“ verbringen und am nächsten Tag ins Büro gehen und ihre Kinder in die Schule schicken, aber es gibt eben auch die anderen und die gilt es, nicht über einen Kamm zu scheren.

Besagte „Länderliste“ wurden übrigens erst am Tag vor unserem Abflug erstellt. Österreich stand nicht drauf, aber auch wenn…ich wäre geflogen und hätte die Quarantänebedingungen danach in Kauf genommen.

Wie hättest du gehandelt?

Alles Liebe

Eure Nanette

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6 Antworten auf „Reisen zu Corona Zeiten?! Muss das sein?!“

  1. Meine liebe Schwester, dass du das alles auf dich genommen hast, um unsere geliebten Eltern zu sehen, werden wir dir nie vergessen!!
    Weiters, dass du zwei so herrliche Kinder in unsere Familie geboren hast, die wir unendlich lieb haben und die eigentlich unser ganzes Familienglück bedeuten!! Jeder einzelne Tag, den wir mit ihnen verbringen dürfen ist ein Gottesgeschenk!! Danke dafür und für alle weitern Tage in der Zukunft und für jede einzelne Nachricht, jedes Videoclip und Foto!! Das hält mich unsere Eltern aufrecht und macht uns immer wieder sehr glücklich!!
    Deine Schwester Danirelle

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