Die Sache mit dem Schnuller

Schnuller?! Auch so ein kontrovers diskutiertes Ding in der Welt der Erziehung. Aber soll ich euch was sagen. Ich war und bin sowas von dankbar, dass es diese Dinger gibt. Es erleichterte unser aller vier Leben in den ersten 3 Jahren immens.  PUNKT.

Spätestens als die beiden Zwetschken anfingen sich am Sprechen zu versuchen, fing das Ding jedoch an zu nerven und auch der Stress, immer und überall einen Nuggi (Schnuller in Schweizerstyle) dabei haben zu müssen. Wir beschlossen also, dass der Nuggi unsere Wohnung nicht mehr verlässt. An der Türe wird er abgegeben und wenn wir heim kommen, dürfen sie ihn wieder haben, sofern der Wunsch danach da ist. Man möge gespannt sein. Vorgenommen haben wir uns in den letzten Jahren ja schon öfter mal etwas, aber Konsequenz ist mit einem dünnen Nervenkostüm halt auch so eine Sache.

Tatsächlich! Diese Schwelle war verwunderlicher Weise eine leichte. Einmal kurz ein Motzen unseres Mädels, aber der Drang raus zu gehen war dann doch grösser und schwups, war der Nuggi draussen kein Thema mehr. Verwunderlich. Ich hatte mir das schwieriger vorgestellt. 

So weit so gut. 

Jetzt war da eben noch das nervige Genuschel beim Sprechen.

Der nächste Schritt stand im Raum: Nuggi nur noch im Bett. 

Man verdrängt ja nach einiger Zeit die Dinge, die mühsam waren, so auch sicher in diesem Falle, es wird schon Widerstand gegeben haben, aber ich kann mich tatsächlich an nichts mehr erinnern. Es wurde also nur noch im Bett genuckelt, wobei man dieses tagsüber auch ab und zu aufsuchte um der Nuckelei zu frönen. Steht ihnen zu. Dürfen sie gerne machen.

Auch dieser Schritt, war also leichter als erwartet. PUH. Glück gehabt. 

So lief das also eine ganze Weile, bis es für uns Eltern nicht mehr zu übersehen war: Die Zahnstellung fing an zu leiden und man hatte ja schon mal irgendwo gehört, dass so eine Schnuller-Fehlstellung dann auch die zweiten Zähne betrifft und man dies im Auge behalten darf.

Wir informierten also die Nuggifee, dass da bei uns einige Nuggis abzugeben wären und fragten die Kinder, ob sie sich vorstellen könnten, all ihre Nuggis, bis auf einen, der Fee zu überlassen. Sie würde sich sicher erkenntlich zeigen. 

So machten die beiden mal eine gute Erfahrung mit der Fee und genossen ihren letzten Nuggi noch sehr.

Trotzdem schlief das Thema dann auch wieder ein. Ich denke, weil ICH Spundus davor hatte.

Die Kinder dabei zu beobachten mit welchem Genuss sie nuckelten, welche Emotionen damit verbunden sind. Hach, das konnte ich ihnen doch nicht nehmen?! Hatte da vielleicht ICH mehr Mühe mit dem Nuggiabgeben, als die Kinder?! Ah geh, sicher nicht! Ist ja lächerlich.

Eines Tages stolperte ich beim Einkauf über ein Bilderbuch. Es handelte von einem Hasen, der seinen Schnuller nicht hergeben wollte. Zack – rein ins online Einkaufskörberl. Nutzts nix-schads nix. 

Ich hatte das Buch dann schon ein paar Tage daheim, aber noch nicht gelesen und keinerlei Plan, wie wir das Thema nun angehen sollten, als die Kinder es entdeckten. 

Mein Mann las es den beiden vor und so hörte auch ich zum ersten mal die Geschichte.

Die Kinde lachten sich tot als mein Mann den Hasen mit dem Schnuller im Mund beim Reden nachmachte und konnten gut nachvollziehen, dass sich die Freunde des Hasen über das Genuschelt aufregten. 

In der Geschichte gibt der Hase dann den Schnuller in eine kleine selbstgebastelte Schachtel und stellt diese in ein Regal, weil er sich noch nicht ganz davon trennen wollte.

Die Kinder meinten dann von sich aus: Wir wollen auch so eine Schachtel haben!

Moooooooment. Was ist denn hier los? Ich komm nicht hinterher. 

Wir brachten nun also auch immer wieder die Nuggifee zur Sprache und ich besorgte kleine Kartonschachteln, die wir eines Tages auch verzierten und ausprobierten, ob der Schnuller auch wirklich reinpasste.

Beim Ausprobieren meinten die Kinder dann beide, dass sie den Nuggi eh nicht mehr bräuchten und ganz easy ohne schlafen könnten. Wie bitte?!?

Die Schachtel mit dem Nuggi wollten sie aber unbedingt neben ihrem Kopfpolster haben. Das nenne ich mal Selbstkontrolle. Respekt! Es war ihnen wohl wichtig, zugreifen zu können, wenn ihnen danach wäre.

SIE zog es durch. ER nicht. War auch in Ordnung. Wir sagten den beiden immer wieder, dass es in Ordnung sei, wenn sie es noch nicht könnten. 

Am nächsten Tag war der Nuggi noch da, aber die Fee hatte einen Brief und Zuckerl hinterlassen. Für beide. Denn schliesslich hatten beide ja ihre Schachtel schön verziert. 

Am nächsten Abend zogen es tatsächlich beide Kinder durch. Mit der Nuggischachtel neben dem Kopfpolster schliefen sie schnullerfrei ein UND durch. 

Am nächsten Morgen waren beide etwas enttäuscht, dass die Fee die Nuggis immer noch nicht mitgenommen hatte. Aber ja, was soll man da machen. Die Fee möchte eben wirklich sicher sein, dass sie bereit sind den Nuggi gehen zu lassen und ausserdem braucht auch eine Fee Zeit um Geschenke zu organisieren. Alles nicht so einfach, wenn die Geschäfte noch geschlossen haben.  *räusper* 

Da war er dann. DER Morgen, an dem zwei Geschenke im Wohnzimmer parat standen und wie immer ein Brief mit ganz viel Glitzer rundherum. Scheint so ein Ding von den Feen und Engeln zu sein. Kaum waren sie da, ist die Bude voller Glitzer. Hat das Christkind schon durchgezogen. Die stecken ja sowieso alle unter einer Decke. Glaubt es mir. Der Osterhase und der Nikolo übrigens auch. – Gern geschehen. You’re welcome.

Und?!- Tatsächlich. In den Nuggischachteln war nun auch kein Schnuller mehr, dafür Schokitaler. Heissa juchee! Geschenke und Schokolade. Was für ein Fest!

Bis zum Abend dann.

Die Fee war ja nun schon da und das Ding also durch und dann kam sie, die grosse Nuggivermissung. SIE steckte es tapfer weg und liess sich in den Schlaf streicheln. ER verkraftete es nicht ganz so leicht. Bei ihm gab es ein leises Schluchzen mit der einen oder anderen Träne. Mein Mutterherz schmerzte! Es war so anders als das Weinen sonst. Das erste mal ein leises Weinen aus Trauer über einen Verlust, anstatt den tagtäglichen lauten Emotionen wie Wut, Enttäuschung oder Schmerz. Es war kaum auszuhalten. Die altbekannte Floskel „Ist ja nicht so schlimm“ kam mir zum Glück nicht über die Lippen . Denn für ihn war es schlimm und durfte es auch sein. Ich begleitete ihn da durch. Wollte am liebsten mitweinen. Ich legte mich zu ihm und streichelte auch ihn in den Schlaf.

Was für eine Erfahrung! Für ihn und für mich. Eine sehr, sehr schöne Erfahrung, denn ich nahm seine Gefühle ernst und begleitete ihn durch. Das gelingt immer öfter, aber weniger oft, als ich es gern hätte. An Tagen, an denen mein Nervenköstüm sehr dünn ist, schaffe ich es z.B. nicht, Wutanfälle entsprechend zu begleiten. So viele Erziehungsansätze, die mich überzeugen, die ich von Herzen gerne leben würde. Aber da sind neben den Bedürfnissen der Kinder eben auch meine Bedürfnisse und Gefühlsregungen. Man werfe den ersten Stein… Ich fange ihn auf und schiesse zurück. Ausser ich hab grad keine Nerven, dann trifft er mich wohl hart.

Ich schweife ab…

Das ganze Prozedere mit der Nuggientwöhnung war bei uns im Endeffekt also gar nicht so schwer. Manchmal darf man auch einfach Glück mit dem Timing haben. Man darf sich dies aber dann auch bewusst machen und den anderen Dingen vielleicht einfach noch ein bisschen mehr Zeit geben, anstatt Druck aufzubauen. Das ist nicht immer möglich, ich weiss. Aber doch öfters , als man denkt. Ich möchte mich darin ein bisschen üben. Kann ich gut gebrauchen. Geduld ist nämlich so gar nicht meine Stärke.

Seid lieb gegrüsst

Eure Nanette

Eine detailliertere Buchbeschreibung des „Schnullerbuches“ findet ihr in den nächsten Tagen auf Instagram. Da poste ich immer wiedermal unsere Liebingsbücher und auch ganz viele einfache Bastelideen. Schau‘ vorbei. Ich würd‘ mich freuen!

Vorschau: Zwillingszirkus auf Instagram

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.