Der ganz normale Wahnsinn

Wie das Amen im Gebet: An Tagen, an denen die beiden Lästwanzen in die Krippe gehen bekommt man sie nicht aus dem Bett. Ganz anders jedoch an den Tagen, an denen ich mit ihnen daheim bleibe: 6.15 Uhr Tagwache! Was denn auch sonst!

So auch heute.

Um 6.15 Uhr das erste Genöle aus einem der Zimmer, ich wälze mich also aus dem Bett, schaue nach und versuche gut zuzureden a la: „Aber schau, es ist noch gaaaaanz dunkel, alle schlafen noch. Komm, kuschel dich doch nochmal in deine Decke und schlaf noch ein bisserl.“ Hoffnungsvoll drehe ich mich wieder um und tapse im Dunklen zurück ins Elternschlafzimmer, aber ich schaffe es nicht ins warme Bett zurück, bevor nicht wieder das Gejammer zu hören ist. Und ganz ehrlich. Das was mich so wahnsinnig macht ist weniger die Uhrzeit, als dieses nervtötende Gejammere, anstatt einer klaren Ansage. Ich biete also an: „Komm, dann steh auf, du kannst entscheiden: Komm zu mir ins grosse Bett, wir gehen ins Wohnzimmer, oder bleib noch liegen, aber bitte hör mit dem Genöle auf!“ Kind ignoriert meine Wünsche wie so oft und jammert weiter. Ich spüre so eine Wut in meinem Inneren aufkommen. Gar nicht gut.

Es wird so lange herum gejammert, bis das zweite Kind auch aufwacht. Die Laune von Kind 2 steht übrigens der Laune von Kind 1 um rein gar nichts nach. Na bravo! Ich danke von Herzen. Mein Mann übernimmt, bevor er kurze Zeit später zur Arbeit fährt, da ich lieber nochmal tief durchatme, bevor dieser Tag nun viel zu früh und viel zu emotionsgeladen seinen Lauf nimmt.

Wetten, morgen müssen wir die beiden um kurz vor sieben Uhr mit harter Arbeit und der Zuckerlstimme aus dem Bett komplimentieren, damit sie um halb acht Uhr in der Krippe sind?!

Ja nu, ich denke an die ersten Jahre, an die unzähligen Morgen, als wir nach desaströsen Nächten bereits um 5.00 Uhr mit einem oder zwei Kind(ern) auf der Couch sassen und ein Buch nach dem anderen vorlesen mussten. Oftmals fiel uns das Kinn völlig übermüdet dabei zur Brust und eine Kinderstimme ertönte: Mami, Papi, nöd schlaaaaafe! Also weiter, Seite umblättern und immer weiter….. Zzzzzzzzzzzz. Somit: 6.15 Uhr ist doch eh völlig im Rahmen, reg di ned so auf, Mutti!

Nach dem Frühstück, das nicht diskussionslos vonstatten geht, watschelten sie mit einem Spiel in der Hand zu mir. Also gut. Her damit. Wir spielen das.

Die erste hitzige Diskussion beginnt. Der Klassiker: ICH will anfangen, NEIN ICH! Ich bestand also drauf, dass ICH anfangen würde. Eine Premiere.

3 Spielzüge später, als der heissbegehrte Spielstein als erstes vom anderen Kind geschnappt wird, gibt es den ersten Wutanfall. Schreien und schreien und schreien. Annäherung nicht möglich. Als die Schreie Sequenzen erreichen, die meine Ohren nur bedingt aushalten, ergreife ich die Flucht ins Schlafzimmer. Wiedermal kurz durchatmen.

Ich tausche eine kurze Sprachnachricht mit einer Freundin aus. Bei mir im Hintergrund Geschrei und direkt neben mir ein Kind, das darauf besteht, nach meinem beendeten Geschwafel unbedingt das blaue Fähnlein zum Losschicken der Whatsappnachricht drücken zu wollen. Egal. Sie hat auch zwei Kinder. Ist für sie also eh auch der ganz normale Wahnsinn. Wie zur Hölle macht man das mit mehr als zwei Kindern? Ich verneige mich vor allen Mamis. Meine Nervenkostüm ist mit meinen beiden Streithanseln schon zur Genüge ausgelastet.

Nun ist das Kind bereit für Nähe und Zuspruch. Ich tröste und drücke und herze also. Und dann kommt mir die spontane Idee, das im Wohnzimmer stehende Spielzelt ein bisschen zu „pimpen“. Ich hole also aus unserem „Schnickschnack-Unordnung- Hier findet man alles, oder nichts- Kasten“ eine kurze Lichterkette und bringe sie am Fenster des Zeltes an. Nun hocken sie drin und freuen sich. Der Schalter wird ein und aus und ein und aus geschalten und als sie sich Mango wünschen, richte ich ihnen zwei Tellerchen her und serviere diese im Zelt. Die Welt ist wieder in Ordnung.

Zumindest für die nächsten 5 Minuten.

Wie spät es jetzt ist?! 7.30 Uhr! Wir haben also noch den ganzen Tag vor uns 😉

Seid lieb gegrüsst

Eure Nanette

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Ich freu mich auf dich!

2 Antworten auf „Der ganz normale Wahnsinn“

  1. Liebe Nanette,

    ich verneige mich vor dir!! Die grundehrliche Darstellung deines Alltages gewürzt mit einem Abschlussschmäh, berührt mich sehr und man leidet mit!!
    Meine Einsamkeitsgefühle, die mich manchmal befallen, da ich keinen Mann und keine Kinder hab verfliegen und mein Singlestatus fühlt sich plötzlich recht gut an!! 😉

    Dickes Bussi und….. weitermachen!! 😘
    Deine Danirelle

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